Schloss

Das Schloss Hardenberg in Velbert-Neviges

 

Wo gibt es noch Schlösser, deren Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht? Urkundlich wurde die Burg, ein als Verteidigungsanlage gebauter Wohnsitz der Hardenberger Herren, erstmals am 28. Dezember 1354 erwähnt.

Schloss Hardenberg ein Haus mit Geschichte

Wahrlich ein Haus mit Geschichte, das häufig seine Besitzer wechselte. Die Grafen von Berg und Ravensberg, die Familie Bernsau, gefolgt von der Familie von Wendt und die Grafen von Marchant-Ansembourg sind nur einige.

1939 kaufte das Schloss die Stadt Neviges. Mit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 wurde das Haus eine Stätte kultureller Begegnungen für bildende Kunst, Musik und Theater. Auf Grund baubedingter Restaurierungsmaßnahmen wurde das Schloss im Jahre 2003 bis zur Beendigung der Sanierungsarbeiten geschlossen.

Geschichte des Kulturensembles Schloss Hardenberg

Das Ensemble von Schloss Hardenberg stellt mit Vorburg und Mühlengebäude einen relativ gut erhaltenen und in seinem Umfeld von störender Bebauung verschonten Herrensitz dar, dessen Gründung in der Mitte des 14. Jahrhunderts erfolgte. Damals und in der Folgezeit entstand eine mittelalterliche Wasserburg mit einem zweiflügeligen Palast und vorgesetztem Hauptturm, umgeben von einer hohen Schildmauer und vier runden Wehrtürmen sowie einem viereckigen Torturm mit einer Zugbrücke.

Zusätzlichen Schutz boten umfangreiche Wassergräben und Teichanlagen rund um das Hauptgebäude und die im unregelmäßigen Viereck errichtete Mauer. Das Wasser wurde von der östlich vorbeifließenden Navigisa (Hardenberger Bach) hergeleitet. 1354, als die Herren von Hardenberg ihren gesamten Besitz an die Grafen von Berg für die ungewöhnlich hohe Summe von 6.000 Mark in brabantischer Währung verkauften, wurde die in der Verkaufsurkunde aufgeführte Wasserburg „Haus zu Hardenberg“ genannt.

1491 nahm man an diesem ,,Haus“ für 800 Gulden Um- und Erweiterungsbauten vor, wodurch es die oben beschriebene äußere Form einer mittelalterlichen Burganlage erhielt, die ab dieser Zeit immer als Schloss bezeichnet wurde. Ein Verzeichnis von 1634 belegt für das Innere einen Saal, acht Kammern, ein Schulzimmer und eine Kapelle; im Dachgeschoss befanden sich ferner Gemächer für die Dienerschaft, eine Rüstkammer sowie zwei Söller für Getreide. An die hohe Schildmauer waren von innen Gebäude für eine Küche, für ein Back- und Brothaus angebaut. Im 17. Jahrhundert, wahrscheinlich im Hinblick auf mögliche Überfälle oder Belagerungen während des 30-jährigen Krieges, entstanden innerhalb an die Schildmauern im halben Bogen angebaute Kasematten. Diese unterirdischen Verbindungsgänge zu den vier Türmen dienten dem wirksameren und schnelleren Einsatz der Verteidiger.

Am 13. Mai 1785 vernichtete ein Großbrand größere Teile des Hauptgebäudes. Ein Jahr lang dauerte der Wiederaufbau, der auch starke bauliche Veränderungen herbeiführte. Die Reste des Schlosses wurden mit dem Hauptturm zu einem rechteckigen Kubus zusammengebaut, der dann ein zeitgemäßes, barockes Mansarddach erhielt. Der Um- bzw. Neubau mit Verwendung älterer Teile ist heute noch erkennbar an den unterschiedlichen Geschosshöhen der Hauptfassade als auch am engräumigen Treppenhaus in Inneren. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die letzte größere Umgestaltung der Schlossanlage. So wurden der Torturm abgebrochen, die Schildmauer weitgehend abgetragen und mit dem Bauschutt die Wassergräben verfüllt.

Die Freiherren von Wendt hatten vom Schloss aus bis 1806 die bergische Unterherrschaft Hardenberg regiert. Friedrich Wilhelm von Wendt wurde danach 1808 zum ersten Bürgermeister der Mairie Hardenberg ernannt, gab dieses Amt aber nach kurzer Zeit auf und verlegte 1811 den ständigen Wohnsitz der Familie nach Schloss Crassenstein im Münsterland. Einzelne Mitglieder der Familie wohnten sporadisch noch bis 1896 im Nevigeser Schloss.

1908 wurde das Hauptgebäude von einem Wirt gepachtet, der eine Gastwirtschaft mit Biergarten und Bootsverleih auf dem Schlossteich betrieb. 1939 verkaufte der damalige Besitzer Graf Wladimir von Marchand-Ansembourg das Schloss an die Stadt Neviges. Während des Zweiten Weltkrieges wurde darin das Postscheckamt Essen provisorisch untergebracht. Ab 1949 bis in die 60er Jahre diente das Schlossgebäude unter der Trägerschaft der „Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg“ als Wohnheim („Heimstatt Schloss Hardenberg“) für vertriebene Jugendliche und später für Lehrlinge aus strukturschwachen Gebieten. 1964 führte die Stadt Neviges umfangreiche Sanierungsarbeiten am Schloss durch und richtete den Rittersaal als Sitzungsraum für den Rat der Stadt ein.

Nach der kommunalen Neugliederung 1975 wurde Schloss Hardenberg in der neuen Stadt Velbert ein Haus für kulturelle Begegnungen, Konzerte und wechselnde Kunst- und stadtgeschichtliche Ausstellungen sowie Domizil des Stadtarchivs, bis es 2004 wegen tiefgreifender Sanierungsmaßnahmen geschlossen werden musste. Die Wirtschaftsgebäude der Vorburg entstanden in der heutigen Form größtenteils um 1680 (s. Maueranker am Südflügel); sie waren ursprünglich im Südosten und -westen mit Ecktürmen versehen sowie zum Teil von Teichen und Wassergräben umgeben. Die dreiflügelige Anlage beherbergte im Ostfügel Scheune, Remise sowie die Försterwohnung, im Südflügel Pferde- und Kuhstall, später auch einen Malzkeller. Im Fachwerkbau des Westteils befand sich das Brauhaus und Wohnhaus des Brauereibesitzers, das 1842 als zweigeschossiges Gebäude vergrößert und nach Norden hin erweitert wurde. Zu Kühlzwecken wurde 1846 ein 100 Fuß langer Felsenkeller hinter dem Westflügel in den Berg hinein gebaut.

Von 1932 bis 1958 diente die Vorburg als Bauernhof, der zuletzt in städtischem Besitz war, denn 1952 hatte der Graf von Marchand-Ansembourg auch alle Ländereien an die Stadt Neviges verkauft.

Das Mühlengebäude an der Straße entstand 1842, nachdem der Vorgängerbau aus Fachwerk von 1769 abgerissen worden war. Es wurde mit dem Steinmaterial des ebenfalls niedergelegten Torturms und des Mühlentorhauses erbaut und mit zwei Wasserrädern ausgestattet. Diese Schlossmühle (auch Oberste Mühle genannt) war ursprünglich eine Zwangsmühle, betrieben – mit einem angestellten Müller – von den Hardenberger Herren, die sie dann ab 1697 für die hohe Summe von jährlich 500 Talern verpachteten. Bis 1874 sind Mühlenpächter nachgewiesen; heute wird das Haus als Wohngebäude genutzt.

Ein Haus mit Zukunft

Schloss Hardenberg war bis zur Schließung 2003 das älteste kulturell genutzte Baudenkmal im Kreis Mettmann. Bis dahin hatte es sich zu einem Haus der jungen Kunst entwickelt. Künstler wie Thomas Ruff, der später Deutschland auf der Biennale in Venedig vertrat, hatten oftmals ihre erste Museumsausstellung in den interessanten kleinen Räumen. Studiotheaterproduktionen sowie interessantes Kammerschauspiel sorgten dafür, dass die Studiobühne Schloss Hardenberg ein fester, positiv besetzter Begriff in der Szene wurde.

Nach erfolgter Sanierung, wird das Schloss wieder geöffnet und steht somit der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das endgültige Nutzungskonzept wird dann durch Politik, Verwaltung und Förderverein festgelegt.

Die große Aufgabe – die Sanierung des Kulturensemles Schloss Hardenberg

Die nächsten Jahre werden alle Verantwortlichen vor große Aufgaben stellen. Insbesondere sind die statischen Voraussetzungen für die Begehung des Gebäudes zu schaffen.

Der Verein der Freunde und Förderer des Kulturensembles Schloss Hardenberg e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, zusammen mit möglichst vielen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt, seinen Beitrag zur Sanierung des Schlosses zu leisten.

Lichtblick Vorburg

Jahrzehntelang wurde schwer um sie gerungen – um die Vorburg des Schlosses. 1999 und 2000 waren turbulente Jahre, Nutzungskonzept folgte auf Nutzungskonzept und um die Verlagerung der Nevigeser Bücherei in die Vorburg zu verhindern, wurde eine Bürgerinitiative gegründet, die nach erfolgreichen Bürgerbegehren in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung für die Vorburg auch ein Nutzungskonzept erarbeitete, das dann vom Rat der Stadt einstimmig verabschiedet wurde.

Zwischenzeitlich wurde in der Vorburg ein multifunktionaler Theater – und Veranstaltungsraum geschaffen.

Der Förderverein erwartet darüber hinaus, dass möglichst bald zur Abrundung des Gesamtkonzeptes Kulturensemble Schloss Hardenberg eine tragfähige Gastronomie realisiert wird.

Schätze im Verborgenen

Eine der wichtigsten touristischen Attraktionen der Schlossanlage Hardenberg liegt in der kasemattierten Umwehrung, die wie der Burgenforscher Dr. Joachim Zeune in einem Gutachten im Jahr 2007 schrieb, ein echtes burgenkundliches Juwel darstellt.

Auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege konstatierte bereits im Jahre 2003, dass die Befestigungsanlage einen regional einzigartigen Stellenwert im Bestand der rheinischen Wasserburganlagen besitze und in ihrer Gesamtheit, Komplexität und Geschlossenheit ein wichtiges Zeugnis spätmittelalterlicher und neuzeitlicher Wehrarchitektur darstelle.

Leider befindet sich die Umwehrung in einem zwischenzeitlich so schlechten Zustand, dass auch sie nicht mehr betreten werden darf. Die Wehranlage verbindet in Kasemattengängen die vier Wehrtürme, die sich quadratisch um das Schloss gruppieren. Experten bescheinigen dieser Wehranlage eine klare, strenge symmetrische Konzeption, wobei die komplette Freistellung und die Komplexität dieser Artillerie-befestigung Hardenberg zu einem überregional bedeutenden Baudenkmal erheben.

Der Förderverein hat deshalb von Anbeginn an Verwaltung und Politik darauf hingewiesen, die Wiederherstellung der Kasematten vorrangig anzugehen. Eine Wiederherstellung würde gerade auch für Gruppen und Schulklassen ein besonderes touristisches und historisches Ziel sein.

Der Vorschlag des Fördervereins läuft z. Zt. darauf hinaus, eine ca. 100 m lange Verbindung zwischen zwei Wehrtürmen zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Damit wäre ein weiterer Pflock in die Wiederherstellung der Schlossanlage gesetzt – weitere könnten und sollten dann bald folgen.